Archive for the ‘Philosophie’ Category

Neoplatonismus (11)

Friday, May 9th, 2008

Über die genaue Art des Endstadiums der Vollkommenheit können keine genauen Aussagen gemacht werden. Einige Passagen Plotins deuten darauf hin, dass die Seele im Nachdenken über das „Eine“ gleichzeitig ihre Identität mit dem Höchsten entdeckt; andere Passagen sprechen dagegen von einer Beibehaltung der Individualität. Die hierin sichtbar werdende Zweideutigkeit ist nicht überraschend. Wenn das „Eine“ […]

Neoplatonismus (10)

Thursday, May 8th, 2008

Um diese These belegen zu können, bedarf es einer detaillierten und systematischen Darstellung der Metaphysik Plotins. Dies kann an dieser Stelle nicht geleistet werden. Es genügt jedoch, sich die plotinische Metaphysik als eine interpretative Variation der gnomischen Aussage Thales zu denken, von der aus die Philosophie ihren Anfang nahm: „Alle Dinge sind von Göttern […]

Neoplatonismus (9)

Wednesday, May 7th, 2008

Wie stellen sich die griechischen Philosophen nun den stufenartigen Aufstieg individueller Seelen vor? Die orphisch-platonische Metapher der eingekerkerten Seele liegt der Anthropologie Plotins zugrund. Des Menschen Seele „findet sich selbst“ (d.h. erringt die Vollkommenheit) in dem Moment, wo sie alle Ketten einer körperlichen Existenz zerreißt. Sie muss sich selbst von der Materie befreien, um in […]

Neoplatonismus (8)

Tuesday, May 6th, 2008

Im scharfen Kontrast zur anthroprozentrischen Philosophie Plotins steht die christozentrische Theologie Augustins. Trotz anfänglicher Zugeständnisse an das humanistische Prinzip Plotins machte Augustin in späteren Jahren den dreieinigen Gott zum definitiven Bezugspunkt seiner Geschichtsphilosophie. Die thematische Gesamtdarstellung des Gottesstaates (De Civitate Dei) steht von Anfang bis Ende unter dem Zeichen der souveränen Gnade Gottes, die dem […]

Neoplatonismus (7)

Monday, May 5th, 2008

Ungeachtet aller Logik bestanden die griechischen Philosophen grundsätzlich darauf, dass die autonome Freiheit des Menschen nicht kompromittiert werden darf. Die platonisch-aristotelische Idee des Seins und der Erkenntnis führt unweigerlich zu einer Absorbierung des menschlichen Individuums in die Abstraktion einer ewigen Idee. Im Wesentlichen brachte Parmenides diese Vorstellung zur Sprache, indem er meinte, dass nur das, […]

Neoplatonismus (6)

Friday, May 2nd, 2008

Von diesen Gedanken und Stimmungen aus ist der Neuplatonismus zu verstehen. Man hat dieses von Plotin (204-269) ersonnene, von seinen Gefolgsleuten Porphyrius (ungefähr 230-300) und Jamblichus (gest. um 330) ebenso gepriesene wie verwässerte Gedankengebilde als den letzten Ausläufer der Philosophie bezeichnet. In der Tat suchte es den letzten Gründen alles Seins nachzuspüren. Allein das Mittel […]

Neoplatonismus (5)

Thursday, May 1st, 2008

Mit Sicherheit war der griechische Theismus im Kern viel rationalistischer als der gnostische Mystizismus. Doch diese Feststellung berechtigt kaum zur Annahme, daß der Gnostizismus völlig frei gewesen sei von jeglicher Form des Rationalismus. Denn jedes ontologische Reflektieren, das sich die Vernunft zur einzigen Erkenntnisquelle wählt, ist von Natur aus rationalistisch. Selbst extreme Formen des Irrationalismus […]

Neoplatonismus (4)

Wednesday, April 30th, 2008

Im Gnostizismus erkennen wir den Übergang von Platons Theismus zu Plotins Mystizismus. Wenn manche Kirchenhistoriker den Gnostizismus als Produkt synkretistischer Vermischung verschiedener Religionsbewegungen ansehen, die sich zu Anfang der christlichen Ära über weite Strecken des Vorderen Orients ausbreiteten, erscheint uns dieser Synkretismus das Ergebnis einer ganz anderen Entwicklung zu sein. Wir sehen darin das Verwerfen […]

Neoplatonismus (3)

Tuesday, April 29th, 2008

Überwältigt von der Unlösbarkeit der Fragen, die der Monismus aufwarf, ging man zum Dualismus über. Demgemäß stünden sich gut und böse in ewiger Spannung gegenüber. Folglich gelänge es keiner Wirklichkeitsform, über eine andere zu triumphieren. Gott konnte nicht Schöpfer aller Dinge sein, da ihm die nötige Souveränität fehle. Es blieb dem bösen Demiurg vorbehalten, die […]

Neoplatonismus (2)

Monday, April 28th, 2008

Die griechische Philosophie sah sich in erster Linie darin gefordert, eine annehmbare Auflösung der sich gegenübersehenden Dualismen von Form und Stoff zu finden. Unter dem Begriff der „Form“ verstanden die Griechen ein Prinzip des reinen Determinismus; unter dem des „Stoffes“ ein Prinzip der reinen Kontingenz. Indem sie die Erfahrung zum ultimativen Ausgangspunkt setzten, blieb ihnen […]