May 26th, 2008
Buchempfehlung
Rudolf Ebertshäuser, Aufbruch in ein neues Christsein?
Emerging Church. Der Irrweg der postmodernen Evangelikalen
Eine neue Strömung aus den USA gewinnt auch unter deutschsprachigen Evangelikalen an Einfluß: die sogenannte „Emerging Church“. Sie versteht sich als Vorhut der „auftauchenden“, „sich neu herausbildenden“ (engl. emerging) postmodernen Kirche des 21. Jahrhunderts und spricht vor allem jüngere Christen an. Dieses Buch gibt eine gründlich erarbeitete Darstellung der vielschichtigen neuen Bewegung und setzt sich auf der Grundlange der Bibel mit den neuen und irreführenden Lehren auseinander, die junge Menschen vom echten Glauben wegführen sollen. Der Leser erhält klare Orientierung und biblische Maßstäbe, wie der Herausforderung durch die postmodernen Evangelikalen begegnet werden kann.
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May 9th, 2008
Über die genaue Art des Endstadiums der Vollkommenheit können keine genauen Aussagen gemacht werden. Einige Passagen Plotins deuten darauf hin, dass die Seele im Nachdenken über das „Eine“ gleichzeitig ihre Identität mit dem Höchsten entdeckt; andere Passagen sprechen dagegen von einer Beibehaltung der Individualität. Die hierin sichtbar werdende Zweideutigkeit ist nicht überraschend. Wenn das „Eine“ als unveränderliches, ewiges Wesen definiert wird, wie kann dann einerseits ein partikulärer Mensch, ein zeitgebundenes Wesen, mit dem ewig „Einen“ verschmelzen, ohne dabei aufzuhören, Mensch zu sein? Wie kann er andererseits das „Eine“ lieben und anbeten? Steht nicht hinter dieser Aussage die implizite Vorstellung, dass der Mensch ein gewisses Maß an Unabhängigkeit beibehält? Plotin gibt selbst zu, nicht anders zu können, als in Dualitäten zu sprechen. Viel lieber wäre es ihm, kühn das Erlangen der Einheit zu explizieren. In Wahrheit scheint es also, dass wir mit dem „Einen“ eine Verbindung eingehen, obgleich die Sprache uns dazu verleitet, Vokabeln wie „Lieben“, „Wahrnehmen“ und „Meditieren“ zu verwenden.
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May 8th, 2008
Um diese These belegen zu können, bedarf es einer detaillierten und systematischen Darstellung der Metaphysik Plotins. Dies kann an dieser Stelle nicht geleistet werden. Es genügt jedoch, sich die plotinische Metaphysik als eine interpretative Variation der gnomischen Aussage Thales zu denken, von der aus die Philosophie ihren Anfang nahm: „Alle Dinge sind von Göttern erfüllt.“
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May 7th, 2008
Wie stellen sich die griechischen Philosophen nun den stufenartigen Aufstieg individueller Seelen vor? Die orphisch-platonische Metapher der eingekerkerten Seele liegt der Anthropologie Plotins zugrund. Des Menschen Seele „findet sich selbst“ (d.h. erringt die Vollkommenheit) in dem Moment, wo sie alle Ketten einer körperlichen Existenz zerreißt. Sie muss sich selbst von der Materie befreien, um in diesem Akt der Loslösung ihre eigentliche Natur zu entdecken. Sich selbst zu finden, bedeutet demnach das Ablegen dessen, was nicht dem ursprünglichen Wesen angehört.
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May 6th, 2008
Im scharfen Kontrast zur anthroprozentrischen Philosophie Plotins steht die christozentrische Theologie Augustins. Trotz anfänglicher Zugeständnisse an das humanistische Prinzip Plotins machte Augustin in späteren Jahren den dreieinigen Gott zum definitiven Bezugspunkt seiner Geschichtsphilosophie. Die thematische Gesamtdarstellung des Gottesstaates (De Civitate Dei) steht von Anfang bis Ende unter dem Zeichen der souveränen Gnade Gottes, die dem Menschen in Christus gewährt wird.
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May 5th, 2008
Ungeachtet aller Logik bestanden die griechischen Philosophen grundsätzlich darauf, dass die autonome Freiheit des Menschen nicht kompromittiert werden darf. Die platonisch-aristotelische Idee des Seins und der Erkenntnis führt unweigerlich zu einer Absorbierung des menschlichen Individuums in die Abstraktion einer ewigen Idee. Im Wesentlichen brachte Parmenides diese Vorstellung zur Sprache, indem er meinte, dass nur das, was ohne Widerspruch gedacht werden kann, existent sei. Selbst als Plotin entgegen seiner erklärten Prinzipien versuchte, den zeitlichen Dingen eine gewisse Wirklichkeitssphäre beizuordnen, folgte er der parmenidischen Rationalismus bis zur letzten Konsequenz.
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May 2nd, 2008
Von diesen Gedanken und Stimmungen aus ist der Neuplatonismus zu verstehen. Man hat dieses von Plotin (204-269) ersonnene, von seinen Gefolgsleuten Porphyrius (ungefähr 230-300) und Jamblichus (gest. um 330) ebenso gepriesene wie verwässerte Gedankengebilde als den letzten Ausläufer der Philosophie bezeichnet. In der Tat suchte es den letzten Gründen alles Seins nachzuspüren. Allein das Mittel hierzu war nicht mehr das reine Denken, sondern die aufs höchste gesteigerte Frömmigkeit. Allumfassend und doch weltenfern ist die Gottheit, so fern, dass kein menschlicher Begriff sie zu erfassen vermag, über alles Denken erhaben, so dass nur Verneinungen ihrem eigentlichen Wesen überhaupt nahe zu kommen vermögen.
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May 1st, 2008
Mit Sicherheit war der griechische Theismus im Kern viel rationalistischer als der gnostische Mystizismus. Doch diese Feststellung berechtigt kaum zur Annahme, daß der Gnostizismus völlig frei gewesen sei von jeglicher Form des Rationalismus. Denn jedes ontologische Reflektieren, das sich die Vernunft zur einzigen Erkenntnisquelle wählt, ist von Natur aus rationalistisch. Selbst extreme Formen des Irrationalismus bergen in sich ein rationalistisches Element. Denn auch diese lassen sich von der Ansicht leiten, daß der Mensch im Verstehen der Welt Ausgangspunkt allen Denkens sei. Selbst in seiner Negation bleibt der Irrationalismus somit eine Spielart des Rationalismus. Der Neoplatonismus brachte diese Erkenntnis zur vollen Blüte.
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April 30th, 2008
Im Gnostizismus erkennen wir den Übergang von Platons Theismus zu Plotins Mystizismus. Wenn manche Kirchenhistoriker den Gnostizismus als Produkt synkretistischer Vermischung verschiedener Religionsbewegungen ansehen, die sich zu Anfang der christlichen Ära über weite Strecken des Vorderen Orients ausbreiteten, erscheint uns dieser Synkretismus das Ergebnis einer ganz anderen Entwicklung zu sein. Wir sehen darin das Verwerfen der rationalistischen Anmaßung des griechischen Theismus zugunsten einer Anerkennung der Endgültigkeit des Irrationalismus.
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April 29th, 2008
Überwältigt von der Unlösbarkeit der Fragen, die der Monismus aufwarf, ging man zum Dualismus über. Demgemäß stünden sich gut und böse in ewiger Spannung gegenüber. Folglich gelänge es keiner Wirklichkeitsform, über eine andere zu triumphieren. Gott konnte nicht Schöpfer aller Dinge sein, da ihm die nötige Souveränität fehle. Es blieb dem bösen Demiurg vorbehalten, die Materie ins Dasein zu rufen und über ihr zu walten.
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